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2019-04-15

Grün aus Tradition. Nicht nur am Gründonnerstag!

Die Gründonnerstagssuppe ist vielerorts eine traditionelle Fastenspeise, in der sich neben frischen Küchen- oder Wildkräutern auch die Brauchtümer aus unterschiedlichen kulturellen Epochen vermischen.
Bevor ich euch das Rezept dieser frühlingsfrischen Suppe vorstelle, möchte ich vorab noch ein paar – wie ich finde – sehr interessante geschichtliche „Zutaten“ hinzufügen.

Vermischung von vorchristlichem Brauchtum und christlicher Tradition

Germanen und Kelten – Frühlingsfest
Bereits in vorchristlicher Zeit würdigte man im germanischen und keltischen Kulturkreis die Frühjahrs-Tagundnachtgleiche am 21. März, dem heutigen Frühlingsanfang, mit einem großen Fest.

Damals wie heute ging die Sonne an diesem Tag genau im Osten auf und markierte eine wichtige kalendarische Orientierung im Jahreslauf: Die Tage wurden wieder länger. Die unfreiwillige Fastenzeit nach entbehrungsreichen Wintertagen näherte sich dem Ende, die positive Kraft des Neubeginns mit ihren frischen Lebenskräften kehrte zurück und wurde von den Menschen sehnsüchtig erwartet.
Unsere Vorfahren entzündeten Frühlingsfeuer zur Vertreibung des Winters und begrüßten die Auferstehung des neuen Lebens mit Ritualen, Speisen und Fruchtbarkeitssymbolen wie Hase, Ei und jungem Grün. Durch den Genuss von frischen Kräutern konnte man sich die Heilkraft des Frühlings zunutze machen und neue Energie schöpfen.

Christentum – Ostern
Das christliche Osterfest ist erkennbar an seiner Beweglichkeit und orientiert sich am Frühlingsanfang. Das Wort Ostern leitet sich im deutschen Sprachgebrauch von OSTEN ab. Der Ostersonntag ist der erste Sonntag nach dem Vollmond, der der Frühlings-Tagundnachtgleiche am 21. März folgt. Im Christentum bedeutet Ostern die jährliche Gedächtnisfeier der Auferstehung Jesu Christi. Allgemein ist es an Gründonnerstag üblich, grünes Gemüse zu essen, was sowohl den Einzug des Frühlings symbolisiert als auch im Einklang mit dem christlichen Fasten steht.

Rezept für eine Gründonnerstagssuppe mit frischen Wildkräutern:

Welcher Ursprung auch immer dieser Suppe zu Grunde liegt, das Ergebnis ist Grün und eine schöne Tradition, um sich auf Ostern einzustimmen und gesund in den Frühling zu starten. Selbstverständlich schmecken die frischen Frühlingskräuter aber auch an jedem anderen Tag wohltuend gut!

Die kräftigende Wildkräutersuppe sollte nach überliefertem Brauchtum 9 frische Kräuter enthalten. Die Anzahl und Art der Kräuter ist jedoch nicht zwingend. Man nehme was man findet. Die Auswahl kann nach Region, Jahreszeit und eigenem Geschmack variieren.

Hier eine Auswahl an Wildkräutern für die Suppe: 
Brennnessel, Löwenzahn, Giersch, Spitzwegerich, Schafgarbe Knoblauchrauke, Bärlauch, Großer Wiesenknopf, Wiesenlabkraut, Taubnessel, Gänseblümchen, Vogelmiere, Sauerampfer, Gundermann, Scharbockskraut (vor der Blüte).

Zubereitung:

  1. Kartoffeln kochen, schälen und würfeln
  2. Wildkräuter waschen, Stängel entfernen, grob hacken und mit etwas kalter Gemüsebrühe pürieren
  3. Kleingeschnittene Zwiebeln und Knoblauch mit dem Öl in einem großen Topf glasig dünsten; gekochte Kartoffelwürfel und restliche Gemüsebrühe dazugeben, pürieren und kurz aufkochen lassen
  4. Pürierte Wildkräuter unterrühren und kurz mitköcheln (Achtung: Längere Hitzeeinwirkung deaktiviert die Bitterstoffe und mildert den etwas herben Kräutergeschmack, es werden aber auch mehr wertvolle Vitamine zerstört. Hier gilt es abzuwägen.)
  5. Suppe abschmecken, mit Blüten dekorieren und mit Sauerrahm oder pflanzlicher Variante servieren.

Guten Appetit!

Nun wünsche ich euch einen kräutergrünen Gründonnerstag mit einer leckeren Suppe und ein erholsames, fröhliches und buntes Osterfest.

Herzliche Grüße Elgin